Gaggenau: Laudatio des Oberbürgermeisters bei der Verleihung der Staufermedaille an Franz-Georg Krieg

Einblick in das Leben und Wirken eines „waschechten, alteingesessenen Rotenfelser“

Christof Florus ehrt in der Jahnhalle den 1. Vorsitzenden des VAfK für dessen Verdienste um die Erhaltung beider Eltern für Trennungs- und Scheidungskinder

2021-07-27

OB-Laudatio bei der Verleihung der Staufermedaille an Franz-Georg Krieg. Foto: Heiderose Manthey.

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Gaggenau.
Im Rahmen einer öffentlichen Stadtratssitzung der Stadt Gaggenau verleiht Christof Florus dem Väteraktivisten, Gründer und Sprecher des VAfK Karlsruhe und des VAfK Landesvorstandes Baden-Württemberg, Franzjörg Krieg, die Staufer-Medaille des Landes Baden-Württemberg.

DIE LAUDATIO von Oberbürgermeister Florus – Einblick in das Leben und Wirken des Franzjörg Krieg

Sehr geehrter Herr Krieg,
sehr geehrte Frau Hoffmeyer,
sehr geehrter Herr Landtagsabgeordneter Becker,
sehr geehrte Mitglieder des Gemeinderats,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

heute ehren wir einen Mann mit der Staufermedaille, dessen ehrenamtliches Lebenswerk seinesgleichen sucht.

Herr Franz-Georg Krieg, den – in Anlehnung an einen Urahn – alle nur „Franzjörg“ nennen, ist eine markante, außergewöhnliche Persönlichkeit.

Und diese Persönlichkeit wohnt mitten in Bad Rotenfels, ist ein waschechter, alteingesessener Rotenfelser – und damit einer von uns, weshalb ich mich freue und stolz darauf bin, ihn heute Abend im Namen unseres Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann zu ehren.

Franzjörg Krieg wurde 1948 geboren.

Die Wagnerei der Familie kann auf mehr als zwei Jahrhunderte – bis ins Jahr 1797 – zurückblicken, das heutige Gebäude mit der historischen Wagnerei steht seit 1898 und hat zwei Weltkriege überlebt.

Franzjörg Krieg ist Spross eines uralten Rotenfelser Handwerksgeschlechts – und darauf ist er, wie wir alle wissen, zu Recht stolz, öffnet er doch alljährlich zum „Tag des offenen Denkmals“ die heimische Wagnerei und lässt Interessierte aus Nah und Fern das intakte Interieur samt dem originalgetreuen Inventar bestaunen.

Damit hält er das Erbe seiner Vorväter hoch, ist heimatverbunden und traditionsbewusst.

Franz Jörg Krieg ist aber auch ein Mann des Geistes – und ein echter „Alt-Achtundsechziger“: 1948 geboren, 1968 gerade zwanzig Jahre alt.

Nach dem Abitur, das er als einziger seines Rotenfelser Jahrgangs machte, studierte er in Karlsruhe und wurde Realschullehrer für Musik und Ethik.

Auch hier beließ er es keineswegs bei „Dienst nach Vorschrift“, sondern inszenierte mit seinen Schülerinnen und Schülern wahre musikalische Events, die Aufsehen erregten und Wellen schlugen.

Darüber hinaus war Herr Krieg über Jahrzehnte hinweg an mehreren Schulen angesehener Vertrauenslehrer und als solcher von der Schülerschaft gewählt.

Mit Zehntklässlern las er im Ethikunterricht den internationalen Bestseller des Psychoanalytikers Erich Fromm, „Die Kunst des Liebens“.

Das war schon immer die Intention des Handwerkssohnes aus Rotenfels: Den eigenen Weg gehen, und sei er noch so beschwerlich, die eigenen Ziele verfolgen, und seien sie noch so fern, sich durchsetzen und für die eigenen Interessen von Jung auf einstehen.

Er hat es vorgemacht, gelernt und gelebt: die Entwicklung zum vielseitigen, seine Talente entfaltenden mündigen Bürger – und genau das wollte er auch seinen Schülerinnen und Schülern beibringen.

Handwerkerspross, Lehrer, Musiker und Intellektueller – doch auch dabei hat es Franzjörg Krieg nicht belassen: Als Höhlenforscher bereiste er die Welt und als Höhlentaucher erhielt er nach einer dramatischen Aktion im „Mordloch“ bei Eybach sogar die Rettungsmedaille des Landes Baden-Württemberg.

Seine wahre (ehrenamtliche) Berufung entdeckte er aber erst Mitte der 1990er Jahre in einem eher fortgeschrittenen Alter – notgedrungen, als, wie er es sagt, „nach 17 Jahren ehegleicher Beziehung von der ‚kinderbesitzenden‘ Mutter zur Trennung gezwungener Vater von zwei nicht ehelich geborenen Töchtern“.

Das war der tiefe Einschnitt seines Lebens – doch Franzjörg Krieg wäre nicht der aufrechte, gerechtigkeitsliebende Rotenfelser, hätte er nicht auch diese neue Rolle eines „entsorgten Vaters“ als Herausforderung angenommen, zumal er nun auf eine Familienrechtspolitik stieß, die Väter nach einer Trennung immer wieder vom Kind abgrenzt und nur noch als Zahler benutzt, wie er es erfuhr.

Er kämpfte aber keinen einsamen Kampf, sondern suchte und fand Gleichgesinnte und wurde so zum maßgebenden Ausgangspunkt und entscheidenden Impulsgeber einer Bewegung, die bis heute vielen Menschen – Eltern wie Kindern – Hilfe und Erfüllung brachte.

Viele Kinder haben es seinem großen Engagement zu verdanken, dass sie mit beiden Eltern aufwachsen konnten.

Unzählige Väter und Mütter wurden durch seine Arbeit aufgefangen, unterstützt und durch die oftmals schwierigsten Phasen ihres Lebens begleitet, in denen staatliche Institutionen nicht mehr weiterhalfen.

So war er 2001 zum Gründungsmitglied des Vereins „Väteraufbruch für Kinder“ in der Region Karlsruhe geworden und zwei Jahre später zum Mitbegründer des Landesverbands Baden-Württemberg – zwei Organisationen, an deren Spitze er heute noch nach zwanzig Jahren steht.

Herr Krieg ging der Sache, der er sich jetzt annahm – so wie es seine Art ist, vollständig auf den Grund, professionalisierte sich als Berater und Coach und machte eine Ausbildung zum Verfahrensbeistand und Umgangspfleger, als welcher er von Familiengerichten in seinem Wohnumfeld auch eingesetzt wurde.

Als Vorsitzender der starken Kreisgruppe Karlsruhe des Vereins „Väteraufbruch für Kinder“ achtet er darauf, dass von der Erstberatung über die Betreuung bis zur Begleitung beim Familiengericht alles in einer Hand ist – was dazu führte, dass der Väteraktivist als Beistand bei über 600 Verhandlungen an über 100 deutschen Familiengerichten aktiv mit dabei war; ehrenamtlich, versteht sich.

Durch seine Betreuung gingen in den vergangenen 20 Jahren über 3.000 akribisch dokumentierte Einzelschicksale, über 13.000 Anwesenheiten wurden in seinen öffentlichen Beratungen gezählt.

Herr Krieg – der fähige Pädagoge – gibt bundesweit hochgeschätzte Seminare.

Die von ihm ins Leben gerufenen „Väterkongresse“ hat er zwischenzeitlich in „Elternkongresse“ weiterentwickelt, zumal er sich keineswegs nur als Vertreter von Väterinteressen sieht, sondern sehr wohl auch Müttern beisteht, wenn sie vor Familiengerichten in die typische Rolle von Vätern geraten.

Der Mann mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitsempfinden setzt sich für das Recht beider Elternteile ein, besonders und in erster Linie aber für das Wohlergehen des Kindes, wohlwissend, dass dieses Kind – ob jetzt ehelich oder nichtehelich geboren – Schaden erleidet, wenn ihm einer der beiden Elternteile bewusst entzogen wird.

Leitlinie für Herrn Kriegs Handeln ist immer: „Allen Kindern beide Eltern“.

Denn, und ich zitiere weiter:

  • Die Verantwortung beider Eltern für das Kind beginnt mit der Zeugung. Vater und Mutter sind gleichermaßen verpflichtet und berechtigt, für ihr Kind zu sorgen und es zu erziehen. Die elterliche Verantwortung ist gleichwertig und unabhängig davon, ob die Eltern miteinander verheiratet sind oder nicht.

  • Die Bindung zu Vater und Mutter ist eine elementare Voraussetzung für die körperliche, geistige und seelische Entwicklung ihres Kindes.

  • Das Verhindern oder Unterbrechen der Bindung zwischen dem Kind und seinen beiden Eltern verletzt das Menschenrecht des Kindes und des ausgegrenzten Elternteils.

  • Das Bestreben eines Elternteils, den anderen Elternteil aus der Verantwortung heraus zu drängen, ist schädlich für die Entwicklung des Kindes und unserer Gesellschaft.

  • Neue Partner getrennter Eltern sind für das Kind bedeutsame Bezugspersonen, können aber einen natürlichen Elternteil für ein Kind nicht ersetzen.

Das sind die Ideale, für die unser Herr Krieg in seiner ehrenamtlichen Lebensrolle eintritt, und ich denke, sie können sich sehen lassen – ebenso wie seine zahlreichen, viel gelesenen Aufsätze auf der Homepage vater-franzjoerg.de oder der oft gezeigte Kino-Dokumentarfilm „Der entsorgte Vater“ mit Herrn Krieg in einer zentralen Rolle.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, lieber Herr Krieg, auch im Namen des Gemeinderats weiterhin viel Erfolg und Kraft beim Einsatz für Ihre gute, lobenswerte Sache – oder, um es mit Ihren Worten zu sagen: für Recht, Befriedung und gegen Machtmissbrauch!

Es freut mich sehr, dass wir heute Abend an seiner Seite auch Frau Angela Hoffmeyer begrüßen können – eine Mitstreiterin von ihm an führender Position auf internationaler und wissenschaftlicher Ebene.

Sie hat heute auch Geburtstag – deshalb mein herzlicher Glückwunsch! – und wird in wenigen Tagen Ehefrau von Herrn Krieg werden, wozu ich Ihnen beiden alles erdenklich Gute wünsche.

Zur Verleihung der Staufermedaille für Ihren jetzt schon Jahrzehnte währenden, nachhaltigen, breitgefächerten und wirkungsvollen Einsatz im Ehrenamt bitte ich Sie, lieber Herr Krieg, jetzt zu mir nach vorne.

Fotostrecke: Verlesung der Urkunde, Aushändigung der Medaille und des Weinpräsents der Stadt, Blumenstrauß für Angela Hoffmeyer

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Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und Ihnen, liebe Gäste, noch einen schönen Geburtstagsabend!